„Zukunft Ukraine“-Stipendiatin Kateryna Mikheienko: „Deutschland ist ein interessantes Land für Forschung in jedem Bereich“
Erzählen Sie bitte von Ihrem Fachgebiet und dem Projekt, an dem Sie im Rahmen des Programms „Zukunft Ukraine“ gearbeitet haben.
Von meiner Ausbildung her bin ich Architektin und Künstlerin und beschäftige mich seit Langem mit der Architektur und Kunst der Kyjiwer Rus vom späten 10. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. Das Thema meines Projekts im Rahmen des Programms „Zukunft Ukraine“ betraf den sogenannten Zakomaren-Kirchentyp der Kyjiwer Rus und die Frage seines Ursprungs. In der sowjetischen und russischen Forschungstradition wurde dieser Kirchentyp als Übernahme aus Byzanz betrachtet, und die Denkmäler der Kyjiwer Rus wurden allgemein als „frühe Phase der russischen Architektur“ angesehen.
Das Ziel meines Projekts war daher, diese Sichtweise zu widerlegen und zu zeigen, dass der Zakomaren-Typ, der sich in Kyjiw herausgebildet hat, eine eigenständige Leistung der Architektur der Kyjiwer Rus ist und Teil des ukrainischen Kulturerbes darstellt.
An der Umsetzung des Projekts arbeitete ich sechs Monate lang im Jahr 2024 an der Universität zu Köln am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik. Der Schwerpunkt lag auf der Auswertung von Fachliteratur zur byzantinischen Architektur und Kunst, insbesondere neuer Publikationen, die leider in ukrainischen Bibliotheken nicht verfügbar sind. Zudem waren Studienreisen zu wichtigen Zentren der byzantinischen Kultur – nach Istanbul und Athen – ein bedeutender Bestandteil meiner Forschung.

Was hat Sie am Programm „Zukunft Ukraine“ am meisten interessiert?
Eine der wichtigsten Möglichkeiten, die mir die Teilnahme an diesem Programm bot, war der Zugang zur akademischen Infrastruktur der Universität zu Köln: Bibliotheken mit aktuellen Publikationen sowie ein internationales Forschungsumfeld. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Möglichkeit, das ukrainische architektonisch-künstlerische Erbe, insbesondere das der Kyjiwer Rus, im internationalen wissenschaftlichen Kontext zu präsentieren.
Die wichtigsten Denkmäler dieser Epoche befinden sich auf dem Gebiet der Ukraine – etwa in Kyjiw, Tschernihiw, Perejaslaw und Wolodymyr-Wolynskyj –, werden jedoch in europäischen akademischen Kreisen häufig noch als Teil der russischen Kultur wahrgenommen. Daher gab mir mein Aufenthalt in Deutschland die Möglichkeit, zu einer Korrektur dieses Narrativs beizutragen.
Wie hat Ihnen dieses Programm in Ihrer Karriere geholfen? Welche wichtigsten Möglichkeiten bietet es Ihrer Meinung nach?
Für mich war das Wichtigste, dass ich durch das Programm einen qualitativen Sprung in meiner Forschung gemacht habe. Dank des Zugangs zur Fachliteratur konnte ich eine breite Palette deutscher und anderer europäischer Publikationen zur byzantinischen Architektur und Kunst auswerten. Darüber hinaus entdeckte ich während meines Aufenthalts in Köln Arbeiten ukrainischer Forscherinnen und Forscher aus den 1920er- und 1930er-Jahren, die bereits damals betonten, dass Kunst und Architektur der Kyjiwer Rus als Teil des europäischen mittelalterlichen Erbes betrachtet werden sollten.

Auch die Atmosphäre am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik war bemerkenswert: Es ist zwar klein, aber sehr freundlich und international. Meine Kolleginnen und Kollegen kamen unter anderem aus Griechenland, Italien und der Türkei. Dies ermöglichte einen intensiven Austausch von Erfahrungen und Ideen. Diese Kontakte bestehen bis heute fort.
Außerdem bot mir das Programm „Zukunft Ukraine“ die Möglichkeit, ukrainische Kultur und Wissenschaft auf internationaler Ebene zu vertreten, was besonders wichtig für die Ukraine ist.
Ich bin dem Programm sehr dankbar für die Möglichkeit, meine Forschung fortzusetzen: In diesem Jahr arbeite ich im Rahmen von „Zukunft Ukraine“ an einem Projekt zur Architektur der Kyjiwer Rus des 12. Jahrhunderts, insbesondere zu den Einflüssen der westeuropäischen mittelalterlichen Kultur.
„In Europa besteht großes Interesse an der ukrainischen Kultur“
Wie haben Sie Ihre wissenschaftliche Betreuerin in Deutschland gefunden und welche Tipps würden Sie anderen geben?
Meine Arbeit im Jahr 2024 war nicht mein erster Aufenthalt an der Universität zu Köln: Zuvor hatte ich bereits ein einjähriges Stipendium für andere Forschungen erhalten. Damals arbeitete ich eng mit den Professorinnen Claudia Sode und Susanne Wittekind zusammen.
Als ich meinen Antrag für „Zukunft Ukraine“ vorbereitete, wandte ich mich erneut an Claudia Sode – und sie unterstützte mein Vorhaben, da wir bereits gute Arbeitsbeziehungen hatten.
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass deutsche Forschende generell offen sind. Wenn man erstmals eine Betreuungsperson sucht, empfehle ich, die Webseiten deutscher Universitäten zu durchsuchen und gezielt Forschende mit ähnlichen Interessen anzuschreiben. Manche antworten nicht oder lehnen höflich ab, aber letztlich findet man jemanden, der Interesse hat. Wichtig ist, nicht aufzugeben und das eigene Forschungsthema klar und präzise darzustellen.
In Europa besteht großes Interesse an der ukrainischen Kultur. Zögern Sie also nicht, den ersten Schritt zu machen – Forschungserfahrungen im Ausland wirken sich sehr positiv auf die akademische Karriere aus. Meiner Meinung nach ist Deutschland ein spannendes Land für Forschung in jedem Bereich.
Erzählen Sie von Ihren interessantesten Erinnerungen an Ihren Aufenthalt in Deutschland. Was hat Sie besonders beeindruckt?
Deutsche Universitäten verfügen über alles, was man für hochwertige wissenschaftliche Forschung benötigt. Darüber hinaus gibt es in Deutschland viele bedeutende Orte und Museen, die einen Einblick in die deutsche Kultur ermöglichen.
Für mich als Forscherin auf dem Gebiet der mittelalterlichen Architektur war es besonders wichtig und spannend, mittelalterliche Kathedralen nicht nur in Köln, sondern auch in Aachen, Speyer, Mainz und anderen Städten zu sehen.

Hat sich Ihre Sicht auf das Forschungsthema oder Ihre Karrierepläne nach dem Programm verändert?
Die Arbeit an meinem Forschungsprojekt in Deutschland hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, die Kultur der Ukraine – insbesondere das architektonisch-künstlerische Erbe – im europäischen Kontext zu betrachten.
Derzeit arbeite ich genau in diese Richtung weiter und untersuche, wie die Entwicklungen in der Architektur der Kyjiwer Rus des 12. Jahrhunderts mit den Prozessen in West- und Mitteleuropa zusammenhingen.
Das Programm „Zukunft Ukraine“ ist eine großartige Gelegenheit, internationale wissenschaftliche Kontakte zu knüpfen sowie eigene Ergebnisse und Ideen vorzustellen. Daher würde ich allen, die zögern, einfach sagen: Bewerbt euch. Selbst wenn es scheint, dass ihr kein perfektes Deutsch oder nicht genügend Kontakte habt. Für ukrainische Forschende ist es wichtig, ihre Forschung betreiben zu können, und europäische Kolleginnen und Kollegen sind daran interessiert, die ukrainische Kultur und Wissenschaft kennenzulernen. Das Programm „Zukunft Ukraine“ bietet alles, was nötig ist, damit dieses gegenseitige Interesse zu einer echten Zusammenarbeit wird.